Das Luftschiff, mit dem die Histonauten die Weltgeschichte erkunden, hat Henri Giffard konstruiert. Dem dampfmaschinenbegeisterten Franzosen gelang 1852 der allererste motorisierte bemannte Flug. Von Paris über Versailles nach Elancourt legte das Gefährt rund 28 Kilometer zurück. Mit seiner aerodynamischen Form und der drei PS starken Dampfmaschine, die die Luftschraube antrieb, kam der schnittige Gasballon mit acht Kilometern pro Stunde voran. Das dreieckige Segel nutzte Giffard zum Steuern. Zum Landen warf er den Anker. Eine optimierte Variante des Luftschiffes ging bei der Probefahrt in Flammen auf. Giffard und sein Begleiter entkamen der Katastrophe jedoch unverletzt. Erst fünfzig Jahre nach Giffards Pionierflug gelang es Ferdinand Graf Zeppelin, ein wirklich verkehrstüchtiges Luftschiff zu bauen. (© Bild: Sammlung Jean Louis Schlim)



 



Aufgezeichnete Online-Vorträge
von Klaus Reichold

 

 






Türkische music in allen Gaßen
Ein Berliner Kompositeur „amusirt“ sich 1783 in München

Im Gasthaus zum Schwarzen Adler an der Kaufingergasse musizierte er mit dem Wirtssohn, in Nymphenburg staunte er über venezianische Gondeln, im Hofgarten bestellte er sich „Gefrorenes“. In den Tagen von Kurfürst Karl Theodor weilte Otto Carl Erdmann von Kospoth, Schöpfer von Bühnenwerken wie „Der Mädchenmarkt zu Ninive“, fünf Wochen lang an der Isar. Seine Tagebuchnotizen erzählen von den damaligen Top-Sehenswürdigkeiten – und von Begegnungen mit prägenden Persönlichkeiten der Münchner Kulturszene. (109 Minuten)

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Wolkensäle und Palmenwälder
Das Salvatortheater – Münchens erstes Opernhaus

Im Fasching gingen der Kurfürst und die Kurfürstin als Indianer, der Hofratspräsident mimte einen Kaminkehrer und das Salvatortheater wurde zum Ballsaal. Als Opernbühne erlebte der umgebaute „Haberkasten“ Auftritte des legendären Kastraten Farinelli – und im Fasching des Jahres 1772 die Uraufführung von Mozarts Karnevalsoper „La finta Giardiniera“. Als „National-Schaubühne“, die den Münchnern zum ersten Mal Shakespeares „King Lear“ präsentierte, wurde das Salvatortheater außerdem zur Wiege des heutigen Bayerischen Staatsschauspiels. (92 Minuten)

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Überflüssiger Luxus
Das Odeon – Münchens legendäres Konzert- und Ballhaus

Bevor es in einer Bombennacht des Jahres 1944 in Schutt und Asche sank, war das Odeon ein glanzvoller Schauplatz großbürgerlicher Verlustierungen, ein Ballsaal der Extraklasse – und der Mittelpunkt des Münchner Musiklebens: Der „Große Saal“ mit seinen 1.500 Plätzen erlebte Auftritte von Clara Schumann, Edvard Grieg und Igor Strawinsky. Richard Strauss dirigierte hier die Münchner Erstaufführung seines „Till Eulenspiegel“. Errichtet nach Plänen von Leo von Klenze, beherbergte das Odeon außerdem den Vorläufer der heutigen Hochschule für Musik und Theater. (105 Minuten)

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Papageno oder Das lustige Elend
Der Zauberflöten-Librettist Emanuel Schikaneder

„Erste Liebhaber“ spielte er und alternde Stutzer, Vogelmenschen, Luftgeister und „ausg’schamte Elementer“. Emanuel Schikaneder begann seine Karriere bei den Regensburger Domspatzen, inszenierte als Theaterprinzipal pompöse Spektakel, wusste am Ende aber leider nicht mehr, wer er war. (112 Minuten)

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Wien–Paris–Holzkirchen
Der Münchner Hauptbahnhof als Tor zur Welt

Abgebrannt, verlegt, erweitert, bombardiert, aus Ruinen neu erstanden – der Münchner Hauptbahnhof, einst „Centralbahnhof“ genannt und Station des legendären „Orientexpress“ von Paris über Wien nach Konstantinopel, hat eine wechselvolle Geschichte. Ludwig I. legte seinen heutigen Standort fest. Ludwig Thoma verewigte ihn in seiner Satire „Der Münchner im Himmel“. Adolf Hitler plante einen Neubau mit gigantischer Kuppel. Künftig wird sich der Münchner Hauptbahnhof in völlig veränderter Gestalt nach Entwürfen des Architekturbüros Auer Weber präsentieren. (108 Minuten)

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Schlösser, Kutschen, Alte meister
die Kunstschätze des Wittelsbacher Ausgleichsfonds und die Alimentierung der heutigen Familienmitglieder

Der Barberinische Faun, Canalettos Ansicht vom Dogenpalast mit dem Hafenbecken von San Marco oder die edelsteingeschmückte Statuette des Heiligen Georg in der Schatzkammer der Münchner Residenz zählen zum kulturellen Erbe Bayerns. Sie gehören aber nicht dem Staat, sondern einer Stiftung des öffentlichen Rechts, die zudem Wälder, Gewerbeimmobilien und einen Golfclub in ihrem Portfolio hat. Denn ihre Aufgabe beschränkt sich nicht auf den Erhalt des enormen Kunstbesitzes. Sie „versorgt“ auch die Mitglieder des „Hauses Bayern“. (105 Minuten)

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Do sein wir zu nacht gen Betelheimb geritten
Der Renaissancefürst Ottheinrich auf Pilgerfahrt im Heiligen Land

Wie viele seiner Zeitgenossen glaubte auch Ottheinrich, dass eine Pilgerfahrt dem Seelenheil ungemein förderlich sei. Deshalb schiffte er sich – nach einem strammen Ritt über den verschneiten Brenner – von Venedig aus Richtung Palästina ein. Mit „19 wibsbildt“ an Bord ging es – beeinträchtigt von Stürmen, süffigem Wein und abenteuerlichem Seemannsgarn – nach Jaffa. Dort staunte Ottheinrich zunächst über die „400 cameel tier“ des Emirs, bevor er „Betelheimb“ besuchte und schließlich in Jerusalem zum Ritter des Heiligen Grabes geschlagen wurde. (116 Minuten)

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Warum Bayern ein orientalisches Land ist und andere weiß-blaue Wahrheiten
Buchpräsentation mit Klaus Reichold

Kein Mensch weiß, wer die Bayern wirklich sind und woher sie kommen. Aus Bayern jedenfalls nicht. Selbst die Landespatronin, die Muttergottes, ist eine „Zuagroaste“ aus Galiläa. Zugegeben: Der Orient ist nur eine der Quellen, aus denen sich das weiß-blaue Wesen speist. Bayern ist aber ähnlich exotisch, geheimnisvoll – und viel bunter, als man gemeinhin denkt. Seine Identität schöpft das Land vor den Bergen daraus, dass es seit Jahrhunderten Menschen, Kulturtechniken und Traditionen aus aller Herren Länder höchst erfolgreich integriert und vereinnahmt.

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Kennst du das Land, wo froh die Reben blüh'n?
Ludwig I. u. seine Sehnsucht nach der Pfalz (Teil 1)

Dass die Vorfahren der bayerischen Könige aus der Pfalz stammen, ist heute fast vergessen. Ludwig I. war sich dessen noch bewusst. Er nannte sich ein „Pfälzer Blut“, gründete den Chemiestandort Ludwigshafen, erschloss den „Rheinkreis“ (wie die damalige linksrheinische Pfalz als Teil des Königsreichs Bayern hieß) durch die Ludwigsbahn und gönnte sich mit der „Villa Ludwigshöhe“ einen italienisch anmutenden Landsitz mit Blick über die Rheinebene. Dass die Pfälzer 1956 gegen die Wiederangliederung an Bayern stimmten, hätte ihn zutiefst geschmerzt. (113 Minuten)

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Ich verdiene nicht so geliebt zu werden
Ludwig I. u. seine Sehnsucht nach der Pfalz (Teil 2)

Sie kennen es: Manchmal fängt man bei der Beschäftigung mit einem Thema derart Feuer, dass man keinen Punkt mehr findet und wie im Rausch weiterrecherchiert. Deshalb präsentieren wir Ihnen nun Teil 2 dieses Vortrags, der insbesondere die Jahre nach dem „Hambacher Fest“ beleuchtet und verdeutlicht, warum Ludwig I. in der Pfalz als herausragende Gestalt des 19. Jahrhunderts gilt – als Herrscherpersönlichkeit, die das Bild und das Selbstbild dieses ehemals zu Bayern gehörenden Landes bis heute prägt. (115 Minuten)

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Den Juden soll daher gestattet seyn …
Die alte Münchner Hauptsynagoge als Symbol
für die Emanzipation der bayerischen Juden im
19. Jahrhundert

Lang und steinig war der Weg, bis die Gleichstellung der Juden in Bayern Realität wurde. Den ersten Schritt machte Max I. Joseph mit dem „Judenedikt“ von 1813.  Den Durchbruch erzielte aber erst die Reichsgesetzgebung von 1871. Die alte Münchner Hauptsynagoge am Lenbachplatz, die 1887 geweiht wurde und mit ihrer architektonischen Pracht die Silhouette der bayerischen Haupt- und Residenzstadt mitprägte, galt als Zeichen dafür, dass die Juden „aus dem Zwielicht der Geschichte in das helle Licht des Tages“ gefunden haben. Das blieb ihnen nicht vergönnt. (117 Minuten)

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Der Zwerg in der Pastete
Die Münchner Fürstenhochzeit von 1568

Ein solches Spektakel hatte die bayerische Haupt- und Residenzstadt noch nicht gesehen: Als der spätere Herzog Wilhelm V. seine Braut Renata ehelichte, fanden sich Fürstlichkeiten aus halb Europa ein, um 521 ungarische Ochsen zu vertilgen und sich allerlei weiteren Gaumenfreuden hinzugeben, darunter Mandelsulz auf neapolitanische Art, Pizza mit Büffelkäse und Pinienkonfekt. Die detaillierte Schilderung der Lustbarkeiten verdanken wir einem Altisten der Münchner Hofkapelle, der wenig später einen Kollegen meuchelte und daraufhin abtauchte. (112 Minuten)

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Welche Sehnsucht habe ich nach den Bergen
Ludwig II. und die Alpenwelt

Der Märchenkönig war in seiner Jugend nicht nur ein selten schöner Mann, bei dessen Erscheinen die Damen gleich reihenweise in Ohnmacht fielen. Er erwies sich auch als ungewöhnlich sportlich, sprengte auf dem Pferd in Richtung Gebirge, erklomm einen Gipfel nach dem anderen und durchmaß als trainierter Schwimmer ganze Bergseen. Später ließ er es gemächlicher angehen: Die Aufenthalte auf seinen Hütten wurden immer länger und verhalfen ihm dazu, den ungeliebten „Geschäftseinlauf“ zumindest vor prachtvoller Alpenkulisse abarbeiten zu können. (110 Minuten)

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Vier Minuten zum Hineinschnuppern ...



Fensterln verboten
Kurfürst Maximilian I.

Er erließ das erste verbindliche Gesetzeswerk für ganz Bayern, sorgte für eine effiziente Verwaltung und rückte sein Land ins Rampenlicht der europäischen Politik. Ein strahlender Herrscher war er aber nicht. Er galt als Aktenfresser, saß schon um vier Uhr früh mürrisch an seinem Schreibtisch und regierte mit eiserner Faust. Von einem katholischen Furor erfasst, schränkte er weltliche Vergnügungen drastisch ein und geißelte sich selbst. Um das erste stehende Heer Europas aufzustellen, kürzte er sogar dem eigenen Vater die Rente.

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Wie es sich für die Kunststadt München geziemt
Heilmann & Littmann prägen das Bild der Isarmetropole

Er heiratete nacheinander in die ersten Familien Münchens ein, erwarb über 12 Millionen Quadratmeter Grundbesitz und war als Unternehmer ein Tausendsassa. Jakob Heilmann hob den Bürgerbräu aus der Taufe, stampfte Villenkolonien wie die Prinz-Ludwigs-Höhe aus dem Boden und begründete mit den „Isarwerken“ einen der ersten regionalen Energieversorger. Mit seinem Schwiegersohn, dem Stararchitekten Max Littmann, bereicherte er das Stadtbild um die Anatomie, das Hofbräuhaus, das Prinzregententheater – und die ersten Kaufhäuser.

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Ich bin der Meinung, das Beste getan zu haben
Die letzten Tage der Weißen Rose

Ein willfähriger Hörsaaldiener, der die Hoffnung hegt, ganz groß rauszukommen. Ein tobender NS-Jurist, der das Amt des Richters mit dem des Anklägers verwechselt. Ein vom Ersten Weltkrieg traumatisierter Psychopath und gläubiger Katholik, der sein Henkerhandwerk mit eiskalter Präzision betreibt. Dazu eine Guillotine aus den Tagen von König Max Zwo, die aus derselben Werkstatt stammt wie die alte Turmuhr der Münchner Frauenkirche. Gegen diese Vernichtungsmaschinerie hatte die Weiße Rose, ein Freundeskreis mutiger junger Leute, keine Chance.

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Da lebt' man wie im Paradeis
Clemens August verlustiert sich am Rhein


Er war „Ertzbischof zu Cöllen, des Heiligen Römischen Reichs Ertzkanzler und Churfürst legatus natus des heiligen Stuhls zu Rom“, zeugte mit seiner Harfenistin eine illegitime Tochter und erschien zur Kaiserkrönung seines Bruders mit einem Gefolge von 1.600 Personen. Clemens August, Sohn des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel, hielt nichts von Armut, Keuschheit und Gehorsam. Als Bauherr aber schrieb er Geschichte: Seine Schlösser in Brühl bei Bonn gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und huldigen seiner bayerischen Herkunft mit Rauten-Orgien in Weiß und Blau.

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Angesengte Schuhsohlen
Ludwig I. erklimmt den Vesuv


1839 verschlang die bayerische Majestät den brandneuen Bestseller „Die letzten Tage von Pompeji“, eilte an den Ort der Katastrophe und stieg zum Entsetzen seiner Entourage bis zum Krater hinauf, über dessen Rand sich wieder einmal glühende Lava ergoss. Von den Ruinen der Stadt Pompeji, die ganz in der Nähe unter einer meterdicken Ascheschicht entdeckt worden waren, ließ er sich zur Idealrekonstruktion eines römischen Wohnhauses inspirieren: Das „Pompejanum” in Aschaffenburg zählt zu den originellsten Architekturschöpfungen des 19. Jahrhunderts.

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Ein Glanz wie in Feengeschichten
Weihnachten am bayerischen Königshof


Teller mit Ansichten aus dem bayerischen Gebirge, goldene Tabatieren, Taschenuhren – alle Jahre wieder verfiel Ludwig II. dem Kaufrausch. Auf der Suche nach passenden Geschenken für Prinzen und Hofdamen, Adjutanten, Kammerdiener und das Stallpersonal tauchte Seine Majestät sogar höchstselbst in Münchner Läden auf. Und weil sich auch hier der märchenkönigliche Zug ins Große zeigte, glichen seine Gemächer vor Weihnachten regelmäßig einem orientalischen Basar, der vor lauter Juwelen, Stoffen, Flacons und anderen Kostbarkeiten überzuquellen drohte.

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I war brav des ganze Jahr
Der „Kinderschreck“ Nikolaus und seine Verehrung in München


Genaugenommen ist der heilige Nikolaus ein Türke: Myra – die Stadt, aus der er stammen soll – liegt an der lykischen Mittelmeerküste. Dass sein Kult über Italien nach Norddeutschland fand und insbesondere in den Hansestädten fröhliche Urständ feierte, spricht für seine Integrationsfähigkeit. Dass er auch noch überraschend wandlungsfähig ist, zeigt die Vielzahl seiner Patronate: Er gilt nicht nur als Schutzherr von Heiratswütigen, „fahrendem Volk“, Bierbrauern und Schnapsbrennern. In München wachte er auch über Kaufleute und Leprosen.

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Kain Jud noch Jüdin mer gedult
Das mittelalterliche „Judenviertel“ am Münchner Marienhof


Der Bau der Zweiten S-Bahn-Stammstrecke durch die Münchner Innenstadt mag für Haushaltspolitiker ein Desaster sein. Für Archäologen ist er ein Glücksfall. Denn bevor die Großbaustelle hinter dem Neuen Rathaus eingerichtet wurde, fanden am Marienhof Grabungen statt. Sie förderten unerwartete Artefakte aus der Stadtgeschichte zu Tage – allerdings keinen Hinweis auf die (vermutlich) erste Synagoge Münchens. Umso ausführlicher berichten schriftliche Zeugnisse über die Frühzeit jüdischen Lebens in der bayerischen Landeshauptstadt.

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Der Saal ist von 600 Schwerbewaffneten umstellt
Wirtschaftskrise, "Hitlerputsch" und der „Marsch auf die Feldherrnhalle“


Im Herbst 1923 stand die Weimarer Republik am Abgrund. Die Wirtschaft stürzte ins Chaos. Eine Trambahnfahrt vom Münchner Marienplatz zum Stachus kostete 250 Milliarden Mark. Ausgehend von Sachsen und Thüringen drohte eine „Oktoberrevolution“ nach russischem Vorbild. In Bayern dagegen träumte man von einer nationalen Diktatur. Radikale Volksredner verknüpften Verschwörungstheorien mit Judenhetze. Ein Bürgerkrieg schien unausweichlich. Stefan Zweig sprach von einer „Tollhauszeit“. Adolf Hitler, damals 34 Jahre alt, hielt seine Zeit für gekommen.

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Modern – Habt’s mi gern
Der Architekt Gabriel von Seidl vereint das Bedürfnis nach Gemütlichkeit und Funktionalität


Er galt als typisch „münchnerischer Charakter“, zeigte eine Begeisterung für sein Metier, „dass es unmöglich war, nicht angesteckt zu werden“ und zeichnete seine Entwürfe, wenn er gerade kein Papier zur Hand hatte, notfalls „auf das blanke Tischtuch“. Seine historisierenden Prachtbauten, darunter das Bayerische Nationalmuseum, prägen das Münchner Stadtbild bis heute. Gleichzeitig „erfand“ er den Prototyp des bayerischen Wirtshauses, schmückte Bad Tölz mit bunten Fassaden und sorgte dafür, dass das Isartal südlich von München unverbaut blieb.

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Missbrauchte Idylle
Die oberbayerische Bilderbuchlandschaft als Hintergrundkulisse von Führerkult und Staatsverbrechen

 
Die NS-Propaganda zählte das Alpenvorland zu den „schönsten Gauen des Reiches“. Das wirkte offenbar auch auf die braune Prominenz: Hermann Göring suchte die Bergeinsamkeit am Wendelstein. Heinrich Himmler ging am Tegernsee angeln. Und Adolf Hitler ließ sich über die Reichsautobahn München-Salzburg, die extra so angelegt ist, dass ein landschaftlicher Höhepunkt auf den anderen folgt, nach Berchtesgaden chauffieren. Auf dem dortigen „Berghof“ zeigte er sich in Lederhose und ließ sich als Menschen-, Tier- und Naturfreund inszenieren.

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Heftige Regengüsse
Max Zwo auf Fußreise von Lindau nach Berchtesgaden


Wo der König auch Station machte, wurde er von Böllerschützen, Bergfeuern und Fackelzügen empfangen – und zeigte keinerlei Berührungsängste: Er schlug sein Quartier in einfachen Gasthäusern auf, ertrug tapfer die Darbietungen singender Dorfkinder und tafelte in einem Kuhstall, den man kurzerhand zum königlichen Speisesaal erklärt hatte. Allerdings wurde er nicht überall erkannt. Denn Max Zwo trug keine Krone und war wegen des Sauwetters zuweilen „durch einen enganliegenden Gummimantel nebst entsprechender Kopfhülle wasserdicht verpackt“.

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YouTube-Kanal der Histonauten







Mit den Histonauten durch Land und Zeit




Manchmal könnte man meinen, dass der bayerische Kalender nur drei Gedenktage kennt: den Geburtstag des Märchenkönigs, den Namenstag des Märchenkönigs und den Todestag des Märchenkönigs. Trotz der Sympathie, die wir für Ludwig II. hegen, halten wir diese Sicht für verkürzt. Außerdem glauben wir, dass Bayern neben den Schlössern Herrenchiemsee, Linderhof und Neuschwanstein durchaus weitere Sehenswürdigkeiten bietet, die einer Berichterstattung würdig sind.

Dem wollen wir Rechnung tragen, indem wir Themen in den Blick nehmen, auf die wir bei unseren Streifzügen „durch Land und Zeit“ stoßen und die uns schon deshalb interessant scheinen, weil sie unseren Horizont weiten: Historische Personen und Ereignisse, Brauchtum und Kirchenjahr, die Neueinrichtung eines Museums oder die Eröffnung eines Kulturpfades, natürlich auch Aktionstage wie der „Tag des offenen Denkmals“ oder Gedenktage mit Bezug zur weiß-blauen Geschichte – es gibt die vielfältigsten Anlässe, darüber nachzusinnen, was unser Leben ausmacht, prägt, bereichert.

Wir wünschen erkenntnisreiche Stunden – und viel Vergnügen!





Von alten Spitalern und dem Triumph des Lebens
Geistliches Brauchtum um Ostern


Von guten Mächten still und treu umgeben
Dietrich Bonhoeffer im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Gespräch zwischen Klaus Reichold und Pfarrer Thomas Lotz





Die "Schöne Leich'"
als Krönung des Lebenslaufs
Audiobeitrag von Klaus Reichold


Schon seh' ich Glut und Wirbelrauch
Die Walpurgisnacht
Audio-Mitschnitt eines Vortrags von Klaus Reichold aus der Reihe Schaurige Mythen
(Bitte nicht wundern: Im youtube-Video ist wirklich nur ein Bild zu sehen. In unseren Vorträgen sind es natürlich viele mehr.)





Hut ab oder Kopf ab?
Die Histonauten-Kritik


Einen Verriss zu Papier zu bringen, ist für den maliziösen Rezensenten ein höllisches Vergnügen – vor allem, wenn die Sätze sitzen: „Diese Ausstellung braucht kein Mensch.“ „Der Autor kann kein Deutsch.“ „Schon das Vorwort offenbart eine astronomische Ahnungslosigkeit.“ Herrlich!

Dummerweise aber dürfen wir es uns nicht leichtfertig mit Autoren, Ausstellungskuratoren, Herausgebern und Verlegern verscherzen, die geschichtliche Themen unter die Leute bringen. Denn sie leisten die Kärrnerarbeit der historischen Forschung, auf deren Erkenntnissen auch unsere histonautische Vermittlungstätigkeit fußt.

Andererseits gibt es natürlich gelungenere und weniger gelungene Beispiele dafür, wie historische Entwicklungen, Ereignisse oder Personen „erzählt“ werden. Deshalb knöpfen wir uns in der Rubrik „Die Histonauten-Kritik“ Ausstellungen, Fachbücher, Kataloge, aber auch historische Romane vor, fragen nach ihrem Erkenntnis- und Unterhaltungswert und vergeben im besten Fall fünf Luftschiffe.

Dass dieses Unterfangen ebenso subjektiv wie ungerecht ist, weil ihm unsere ganz persönliche Definition des Guten, Schönen und Wahren zugrunde liegt, versteht sich von selbst.

Hut ab oder Kopf ab? Im Zweifelsfall möge der mittelalterliche Spruch gelten, der als Inschrift auch die Wand des Kleinen Sitzungsaals im Rathaus von Kempten ziert: „Eines Manns Red ist keines Manns Red / Mann soll sie hören alle bed.“

Wir wünschen erkenntnisreiche Stunden – und viel Vergnügen!






Eine Epoche am Abgrund
Die Bayerische Landesausstellung „Götterdämmerung II
– Die letzten Monarchen“ wird unter Wert verkauft
Audio-Rezension von Klaus Reichold


Eine Neue Zeit
Die "Goldenen Zwanziger " in Oberbayern
Audio-Rezension von Klaus Reichold & Thomas Endl


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